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Dänemark für Designfans

Dänisches Design ist kein Trend und kein Marketingbegriff — es ist eine Haltung. Funktionalität und Schönheit als gleichwertige Ziele, Handwerk als Grundlage, Reduktion als Prinzip. Wer Dänemark als Designreisender besucht, findet dieses Denken überall: in Möbeln, in Architektur, in Alltagsgegenständen, in der Art wie Cafés eingerichtet sind. Dieser Artikel führt durch die wichtigsten Designadressen im ganzen Land.

Kopenhagen: Die Designhauptstadt

Kopenhagen ist einer der wichtigsten Designstandorte der Welt — und das spürt man im Stadtbild. Die Möbel in den Cafés sind keine Zufallskäufe, die Leuchten in den Museen wurden von Architekten ausgewählt, und selbst die Fahrradständer folgen einem Gestaltungsprinzip. Die Stadt ist ein begehbares Designmuseum.

Der erste Anlaufpunkt für Designinteressierte ist das Designmuseum Danmark im Frederiksstaden-Viertel. Die Sammlung umfasst dänisches und internationales Design vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart — mit besonderem Schwerpunkt auf Möbeln, Mode und industriellem Design. Die Stühle von Hans J. Wegner, die Lampen von Poul Henningsen, das Besteck von Arne Jacobsen: hier ist alles versammelt, was dänisches Design zur Weltmarke gemacht hat.

Weitere Designadressen in Kopenhagen:

  • Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk — nicht nur als Kunstmuseum relevant, sondern als architektonisches Gesamtkunstwerk. Die Verbindung von Gebäude, Garten und Landschaft ist ein Meisterstück dänischer Gestaltungsphilosophie.
  • Nordhavn — das neue Hafenviertel zeigt, wie Kopenhagen heute baut: dicht, nachhaltig, fußgängerfreundlich. Die Architektur der Wohngebäude, die Gestaltung der Hafenbecken, die Brücken — alles folgt einem Masterplan, der Stadtentwicklung als Designaufgabe versteht.
  • Frederiksberg — das bürgerliche Viertel westlich des Stadtzentrums hat die dichteste Konzentration an Designshops und Antiquitätenläden mit dänischen Klassikern. Wer gebrauchte Wegner-Stühle oder originale PH-Lampen sucht, wird hier fündig.
  • Thorvaldsens Museum — das Gebäude selbst ist ein Designdokument: ein neoklassizistischer Bau von 1848 mit farbigen Friesen an der Außenwand, der das Werk des Bildhauers Bertel Thorvaldsen beherbergt. Ein Beispiel dafür, dass dänisches Gestalten weit vor der Moderne beginnt.

Klassiker und ihre Orte

Dänisches Design des 20. Jahrhunderts hat Namen, die in jedem Designbüro der Welt bekannt sind. Wer die Ursprünge erkunden will, findet einige der wichtigsten Orte außerhalb Kopenhagens.

Arne Jacobsen, der Entwerfer des Egg Chair und des Swan, arbeitete zeitlebens in Kopenhagen — aber seine Bauten stehen im ganzen Land. Das Rathaus von Rødovre, die Tankstelle in Skovshoved, die Nationalbank in Kopenhagen: Jacobsen-Architektur zu erkunden ist eine eigene Reise wert. Das Arkitektens Hus in Kopenhagen bietet regelmäßig Führungen und Ausstellungen zu dänischer Architekturgeschichte.

Kaare Klint, der Begründer der modernen dänischen Möbelgestaltung, lehrte an der Kunstakademie Kopenhagen und beeinflusste eine ganze Generation von Designern. Seine Safarichair und Faaborg Chair sind bis heute in Produktion — bei Rud. Rasmussens Snedkerier, einer der wenigen Tischlereien die noch nach historischen dänischen Entwürfen fertigen.

  • Louisiana for Sale — der Museumsshop von Louisiana ist einer der besten Designshops Skandinaviens. Bücher, Objekte, Möbel — kuratiert mit demselben Anspruch wie die Ausstellungen.
  • Paustian in Kopenhagen — Dänemarks bedeutendster Einrichtungsshop, in einem Gebäude von Jørn Utzon (dem Architekten des Sydney Opera House). Moderne dänische und internationale Möbel auf mehreren Etagen.

Aarhus: Design zwischen Tradition und Avantgarde

Aarhus hat eine eigene Designidentität, die sich von Kopenhagen unterscheidet: bodenständiger, weniger poliert, mit stärkerem Fokus auf Handwerk und Material. Das ARoS zeigt regelmäßig Designausstellungen neben der Kunstsammlung. Das Vikingeskibsmuseet in Roskilde — eine Stunde von Kopenhagen — ist streng genommen kein Designmuseum, zeigt aber, dass funktionales Gestalten in Dänemark eine tausendjährige Geschichte hat.

In Aarhus selbst ist das Viertel rund um die Jægergårdsgade die Adresse für zeitgenössisches dänisches Design: kleine Läden, junge Labels, Ateliers die man besuchen kann. Die Nähe zur Designschule der Universität Aarhus sorgt für ständige Erneuerung.

Bornholm: Keramik und Handwerk

Bornholm ist Dänemarks Insel der Handwerker. Die Keramiktradition der Insel reicht ins frühe 20. Jahrhundert zurück — heute arbeiten hier über 30 Keramiker, Glasmacher und Textilkünstler. In Gudhjem und Svaneke kann man Ateliers besuchen, Entstehungsprozesse beobachten und direkt beim Hersteller kaufen.

Das bekannteste Keramikstudio der Insel ist Ceramica Bornholm — aber auch die kleineren Werkstätten lohnen einen Besuch. Bornholm zeigt, dass dänisches Design nicht nur Industrie ist, sondern auch in der Hand einzelner Handwerker lebt.

Designshops und Einkaufen

Wer dänisches Design mit nach Hause nehmen will, hat in Kopenhagen die größte Auswahl:

  • Illums Bolighus am Strøget — das Kaufhaus für dänisches und skandinavisches Design. Vier Etagen mit Möbeln, Küchenutensilien, Textilien und Leuchten der wichtigsten nordischen Marken.
  • Royal Copenhagen — das Porzellanhaus existiert seit 1775 und ist eine der bekanntesten dänischen Designmarken weltweit. Die Flagship-Store in Kopenhagen zeigt die gesamte Kollektion, vom klassischen Blauen Blumen bis zu zeitgenössischen Entwürfen.
  • Bredgade in Kopenhagen — die Straße der Antiquitätenhändler und Auktionshäuser. Wer dänische Designklassiker des 20. Jahrhunderts sucht, findet hier die größte Dichte an seriösen Händlern.
  • Georg Jensen — Silberschmiede und Designhaus seit 1904. Besteck, Schmuck und Wohnaccessoires, die den dänischen Anspruch an Material und Form in jedem Stück zeigen.

Architektur als Designerlebnis

Dänische Architektur der Gegenwart gehört zur europäischen Spitze. In Kopenhagen sind einige Bauten unverzichtbar für Designinteressierte:

  • Dokk1 in Aarhus — die größte öffentliche Bibliothek Skandinaviens, am Hafenbecken gelegen, ein Meisterwerk zeitgenössischer dänischer Architektur. Kostenlos zu besuchen, und im Betrieb erleben.
  • Kopenhagener Oper von Henning Larsen — ein monumentaler Bau auf einer Insel im Hafen, der die Stadt von außen genauso beeindruckt wie von innen.
  • BLOX in Kopenhagen — das Gebäude des Dänischen Architekturzentrums, von OMA/Rem Koolhaas entworfen, direkt am Hafen. Ausstellungen zu dänischer und internationaler Architektur, ein guter Buchladen und ein Café mit Hafenblick.

Praktische Hinweise

Designinteressierte sollten sich die 3daysofdesign, Kopenhagens jährliches Designfestival im Juni, vormerken — dann öffnen Studios, Showrooms und Ateliers ihre Türen, die sonst geschlossen sind. Auch die Copenhagen Architecture Festival im Mai ist für Architekturinteressierte ein Pflichttermin.

Für eine erste Orientierung empfiehlt sich VisitCopenhagen Design mit aktuellen Ausstellungen, Shopempfehlungen und Architekturrouten. Wer tiefer einsteigen will: Das Danish Design Centre dokumentiert die Geschichte und Gegenwart dänischen Designs mit digitalen Archiven und physischen Ausstellungen.

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