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Was in Dänemark wirklich teurer ist — und was nicht

Kaum eine Annahme über Dänemark hält sich so hartnäckig wie diese: Dort ist alles teuer. Wer schon einmal in Kopenhagen essen war, wird nicken. Nur stimmt der Satz in dieser Pauschalität nicht — und die Stellen, an denen er nicht stimmt, sind die interessanteren.

Die Ausgangszahl

Das Statistische Bundesamt erhebt jährlich Preisniveauindizes für Europa. Für 2025 lag das Preisniveau der privaten Konsumausgaben in Dänemark 39,7 Prozent über dem EU-Durchschnitt, in Deutschland 8,3 Prozent darüber. Umgerechnet heißt das: Der dänische Warenkorb kostet rund 29 Prozent mehr als der deutsche.

Das ist spürbar, aber es ist kein Faktor zwei. Und der Aufschlag verteilt sich sehr ungleich.

Lebensmittel: teurer, aber weniger als gedacht

Beim Preisniveau für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke lag Dänemark 2023 bei einem Index von 123 gegenüber dem EU-Schnitt von 100 — Deutschland bei rund 103. Der Abstand beträgt hier also etwa 19 Prozent, deutlich weniger als beim Gesamtniveau.

Dafür gibt es eine erstaunlich saubere Erklärung, und sie hat nichts mit dänischen Bauern oder Handelsspannen zu tun.

Der eigentliche Grund heißt Moms

Die dänische Mehrwertsteuer — moms — beträgt 25 Prozent. Das ist einer der höchsten Sätze der EU, aber nicht das Entscheidende. Entscheidend ist: Dänemark kennt keinen ermäßigten Steuersatz. Keinen für Lebensmittel, keinen für Bücher, keinen für den Nahverkehr. Fast jedes andere EU-Land hat solche Ermäßigungen, Dänemark nicht.

In Deutschland liegt die Mehrwertsteuer auf die meisten Lebensmittel bei 7 Prozent. Der Unterschied beträgt also 18 Prozentpunkte — und liegt damit fast exakt in der Größenordnung des beobachteten Preisabstands bei Lebensmitteln.

Anders gesagt: Dänische Lebensmittel sind nicht wirklich teurer. Sie sind anders besteuert. Wer im Supermarkt steht und sich über den Kassenbon wundert, sieht vor allem Steuerpolitik.

Wo es wirklich weh tut

Wenn Lebensmittel nur 19 Prozent über deutschem Niveau liegen, das Gesamtniveau aber 29 Prozent — dann muss die Differenz woanders stecken. Sie steckt dort, wo Arbeit im Preis steckt.

  • Restaurants. Der größte Einzelposten für Besucher. Hier schlagen hohe Löhne, die volle Mehrwertsteuer und teure Gewerbemieten zusammen durch. Ein Restaurantbesuch ist der Punkt, an dem das Klischee stimmt.
  • Alkohol. Zusätzlich zur Mehrwertsteuer greifen Verbrauchsteuern. Wein und Spirituosen im Lokal sind für deutsche Verhältnisse auffällig teuer.
  • Handwerk und Dienstleistungen. Friseur, Reparatur, Taxi — alles, was im Wesentlichen aus bezahlter Arbeitszeit besteht.
  • Autos. Auf den Kaufpreis inklusive Mehrwertsteuer kommt noch die Zulassungssteuer obendrauf. Dasselbe Modell kostet in Dänemark deutlich mehr als in Deutschland — einer der Gründe, warum in Kopenhagen so viel Fahrrad gefahren wird.

Und wo es umgekehrt läuft

Jetzt der Teil, den kaum ein Reiseführer erwähnt, weil er Besucher nicht betrifft — Menschen mit Kindern aber sehr.

Kinderbetreuung. Ein Ganztagsplatz kostet in dänischen Kommunen in der Größenordnung von 2.000 Kronen im Monat, rund 270 Euro. Dafür gibt es Betreuung von etwa 6:15 bis 16:45 Uhr — einschließlich der Ferien. Halbtagsplätze sind die Ausnahme, Ganztags ist der Normalfall. Dazu kommt eine Betreuungsgarantie: Dass alle Einrichtungen gleichzeitig schließen, ist im dänischen System nicht vorgesehen.

Wer in Deutschland schon einmal einen Ganztagsplatz gesucht hat, weiß, dass hier nicht nur der Preis eine Rolle spielt, sondern die Verfügbarkeit. Der Vergleich fällt bemerkenswert aus — und er erklärt einen Teil davon, warum in Dänemark deutlich mehr Mütter voll berufstätig sind.

Ähnlich gelagert sind Gesundheitsversorgung und Bildung, die im Alltag ohne Zuzahlung auskommen. Das steht auf keinem Kassenbon, gehört aber in dieselbe Rechnung: Ein Teil dessen, was in Dänemark über Steuern und Preise abgeht, kommt an anderer Stelle als Leistung zurück.

Was das für einen Urlaub bedeutet

Drei Dinge, die den Unterschied tatsächlich ausmachen:

  • Weniger auswärts essen. Der Preisabstand bei Lebensmitteln ist moderat, bei Restaurants groß. Ferienhaus mit Küche oder Einkaufen für unterwegs verschiebt die Rechnung spürbar — deshalb funktioniert der klassische Ferienhaus-Urlaub in Jütland preislich so gut.
  • Mittags statt abends. Mittagsmenüs sind bei gleicher Küche häufig deutlich günstiger. Wer die Hauptmahlzeit nach vorn legt, spart, ohne zu verzichten.
  • Leitungswasser und Pølsevogn. Wasser ist überall trinkbar, und der Hotdog-Wagen ist keine Notlösung, sondern gelebte Esskultur — und der ehrlichste Preis der Stadt.

Wer die Hauptstadtpreise ganz umgehen will, findet in unseren günstigen Alternativen zu Kopenhagen vier Städte, in denen dieselbe Reise deutlich weniger kostet. Und für Familien haben wir die Restaurants zusammengestellt, bei denen der Preis nicht in der Einrichtung steckt.

Das Fazit in einem Satz

Dänemark ist teuer, wenn man dänische Arbeitszeit kauft — im Restaurant, in der Werkstatt, im Taxi. Bei allem, was im Regal liegt, ist der Abstand kleiner, als das Klischee behauptet, und er ist zu großen Teilen schlicht die Mehrwertsteuer. Und bei manchem, was man erst als Bewohner merkt, dreht sich das Verhältnis um.

Preis- und Indexangaben nach Statistischem Bundesamt und Eurostat; Gesamtpreisniveau für 2025, Lebensmittelindex für 2023. Stand des Artikels: September 2026.

Bild: No machine-readable author provided. Blacknight assumed (based on copyright claims)., Wikimedia Commons (Public domain)

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