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Aarhus: Die Sehenswürdigkeiten, die sich wirklich lohnen

Aarhus wird gern als Dänemarks zweite Stadt geführt, was nach Trostpreis klingt und in die Irre führt. Die Stadt ist kompakt genug, um sie in zwei Tagen zu Fuß zu erschließen, hat durch die Universität eine junge und entsprechend bezahlbare Gastronomie — und seit Juni 2026 ein Kunstmuseum, das in dieser Form in Europa kein zweites Mal existiert.

ARoS: Der Regenbogen und der neue Dom

Das ARoS kennen die meisten wegen Your Rainbow Panorama, dem begehbaren Farbring von Olafur Eliasson auf dem Dach. Der allein lohnt den Besuch: Man geht einmal im Kreis durch sämtliche Farben und sieht Aarhus jedes Mal anders eingefärbt.

Seit dem 19. Juni 2026 gibt es einen zweiten Grund. Unter dem Musikhusparken hat das Museum auf rund 4.000 Quadratmetern unterirdisch erweitert, entworfen von Schmidt Hammer Lassen. Herzstück ist As Seen Below – The Dome von James Turrell: eine Kuppel mit 16 Metern Höhe und 40 Metern Durchmesser, die als größter jemals in einem Museum realisierter Skyspace gilt. Man betritt sie durch einen unterirdischen Gang und setzt sich auf eine umlaufende Bank; oben öffnet sich die Decke zum Himmel, ein bewegliches Dachelement lässt sich schließen. Turrell und die Architekten haben über ein Jahrzehnt daran gearbeitet.

Der Eintritt liegt bei 200 Kronen, unter 18 ist frei. Montags geschlossen, außer im Juni, Juli und August. Werktags bis 20 Uhr geöffnet — abends ist es deutlich leerer, und der Dom wirkt dann noch einmal anders.

Den Gamle By: Vier Zeitschichten einer Stadt

Den Gamle By ist ein Freilichtmuseum, das anders funktioniert als die meisten. Statt eines einzigen historischen Dorfs zeigt es vier Zeitebenen: 1864, 1927, 1974 und 2014. Man läuft aus dem Fachwerk der vorindustriellen Kaufmannsstadt in eine Straße mit Autos und Straßenlaternen der Zwischenkriegszeit und von dort in ein Wohnviertel des dänischen Wohlfahrtsstaats der Siebziger, mit Tapeten und Küchen, die viele deutsche Besucher aus der eigenen Kindheit wiedererkennen.

Genau diese Siebziger-Abteilung macht den Unterschied. Historische Museen zeigen fast immer, was weit weg ist; hier steht man in einer Wohnung, die man kennt, und merkt erst dabei, dass sie Geschichte ist. Das Museum wurde 2026 als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet.

Der Eintritt schwankt saisonal zwischen 145 und 205 Kronen, unter 18 frei.

Moesgaard: Ein Dach, auf dem man liegt

Das Moesgaard Museum südlich der Stadt ist zur Hälfte Architektur. Henning Larsen Architects haben es als schräge Fläche in die Landschaft gelegt, das Dach ist mit Gras bewachsen und begehbar — man geht hinauf und schaut über die Bucht von Aarhus und die Wälder ringsum. Dänen picknicken dort, im Winter rodeln Kinder darauf.

Innen liegt der Grauballe-Mann, eine der weltweit besterhaltenen Moorleichen aus der Eisenzeit, dazu eine Wikinger-Ausstellung, die den Besucher durch das frühere Aros führt. Erwachsene zahlen 180 Kronen, Studierende 100, unter 18 frei. Mit dem Bus aus dem Zentrum gut erreichbar, Parken kostenlos.

Latinerkvarteret: Der alte Kern

Das Lateinerviertel ist der älteste Teil der Stadt und das, was man in Kopenhagen im Strøget-Getümmel vergeblich sucht: enge Gassen, Cafés ohne Touristenpreise, kleine Läden für Mode und Design. Hier verbringt man am besten den Nachmittag zwischen zwei Museen, ohne Programm.

Aarhus Ø und das Eisberg-Haus

Am ehemaligen Containerhafen ist in den letzten Jahren ein komplett neues Viertel entstanden. Das bekannteste Gebäude ist Isbjerget, ein Wohnkomplex, dessen weiße, gezackte Dachlinie tatsächlich an Packeis erinnert und der es zum Wahrzeichen gebracht hat. Für Architekturinteressierte lohnt der Spaziergang, für alle anderen zumindest der Blick vom Wasser aus.

Die unendliche Brücke — aber nur im Sommerhalbjahr

Am Varna Strand liegt Den Uendelige Bro, ein kreisrunder Holzsteg, der ins Wasser hinausführt und wieder zurück. Man läuft und läuft und kommt nirgends an, was klingt wie eine Kunstidee und sich als überraschend meditativ herausstellt. Der Zugang ist kostenlos, im Sommer rund um die Uhr.

Wichtig für die Planung: Die Brücke wird jedes Jahr im April aufgebaut und im Oktober wieder abgebaut. Wer im Winter kommt, findet dort nur Strand.

Marselisborg: Wenn die Flaggen unten sind

Die Sommerresidenz der dänischen Königsfamilie liegt südlich der Stadt am Wald. Der Rosengarten ist öffentlich zugänglich, solange die Familie nicht anwesend ist — erkennbar, wie in Kopenhagen, an den Flaggen. Ein ruhiger Abschluss für einen Nachmittag, gut mit Moesgaard zu verbinden, das in derselben Richtung liegt.

Praktische Hinweise

Wie viel Zeit: Zwei volle Tage reichen für ARoS, Den Gamle By, Moesgaard und das Lateinerviertel. Wer drei Tage hat, nimmt Aarhus Ø und Marselisborg dazu und geht ein zweites Mal ins ARoS — der Dom lohnt einen Besuch zu anderer Tageszeit.

Zu Fuß und mit dem Rad: Das Zentrum ist klein, alles Wesentliche außer Moesgaard und Marselisborg liegt in Gehweite.

Preise: Hotels und Gastronomie liegen spürbar unter Kopenhagener Niveau — einer der Gründe, warum Aarhus in unserem Vergleich günstiger Alternativen zu Kopenhagen an erster Stelle steht. Warum dänische Preise generell anders zustande kommen als deutsche, steht in unserem Artikel dazu, was in Dänemark wirklich teurer ist.

Eintrittspreise geben den Stand von September 2026 wieder. Aktuelle Öffnungszeiten stehen auf den Seiten der jeweiligen Häuser, sie ändern sich saisonal.

Bild: Johan Wessman / News Oresund, Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

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