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Kopenhagen an einem Tag: eine Route, die funktioniert

Kopenhagen lässt sich an einem Tag erleben. Das ist kein Werbeversprechen, sondern Topografie: Die Stadt hat sich über Jahrhunderte um ihren Hafen herum entwickelt, und fast alles liegt innerhalb von 25 Gehminuten. Wer früh startet und sich nicht verzettelt, sieht die wichtigsten Orte — ohne durch Museen zu hetzen.

Vom Bahnhof durch die Altstadt

Die Route beginnt am Københavns Hovedbanegård, dem Hauptbahnhof. Direkt gegenüber liegt der Tivoli, der 1843 eröffnete Vergnügungspark. Wer morgens ankommt, sollte nicht gleich hinein — der Park entfaltet seine Atmosphäre erst ab dem späten Nachmittag, wenn die Lampen angehen. Stattdessen: Blick auf die Fassade werfen, weitergehen.

Über die Rådhuspladsen führt der Weg in die Strøget, Kopenhagens 1,1 Kilometer lange Fußgängerzone. Hier trennt sich schnell, wer shoppen will von dem, der die Stadt sehen will. Die Seitengassen sind interessanter als die Hauptstraße: In der Gråbrødretorv sitzen Einheimische im Sommer draußen, in der Kompagnistræde reihen sich kleine Läden aneinander. Die Strøget selbst ist Durchgangsweg, kein Ziel.

Am Ende liegt Kongens Nytorv, der große Platz vor dem Königlichen Theater. Von hier sind es fünf Minuten zu Fuß nach Nyhavn. Der bunte Kanal mit den schmalen Giebelhäusern ist das meistfotografierte Motiv der Stadt — und tatsächlich schön, trotz der Touristenströme. Von hier starten die Hafenrundfahrten, die eine gute Möglichkeit sind, die Stadt vom Wasser aus zu sehen, wenn die Füße schon müde werden.

Christianshavn und der Spiralturm

Über die Inderhavnsbroen, die Hafenbrücke für Fußgänger und Radfahrer, geht es nach Christianshavn. Das Viertel auf der anderen Seite des Hafens hat eine andere Atmosphäre: ruhiger, weniger poliert, mit Kanälen, die an Amsterdam erinnern.

Das Wahrzeichen hier ist die Vor Frelsers Kirke, die Erlöserkirche mit ihrem goldenen Spiralturm. 400 Stufen führen nach oben, die letzten 150 außen an der Turmspitze entlang. Der Aufstieg ist nichts für Menschen mit Höhenangst, aber die Aussicht über die Stadt zeigt, wie kompakt Kopenhagen wirklich ist: Wasser, Dächer, Kirchtürme, und im Hintergrund die Øresundbrücke nach Schweden.

Wer noch Zeit hat, kann durch die Gassen von Christianshavn schlendern oder einen Kaffee an den Kanälen trinken. Die alternative Freistadt Christiania liegt direkt nebenan, aber das ist ein eigenes Kapitel — und gehört eher zu einem zweiten Tag.

Abends zurück zum Tivoli

Gegen Abend lohnt sich die Rückkehr zum Tivoli. Der Park ist dann beleuchtet, die Stimmung eine andere als tagsüber. Ein Spaziergang durch den Garten ist auch ohne Fahrgeschäfte ein Erlebnis — die Architektur, die alten Bäume, die kleine Konzertbühne. Wer will, bleibt zum Essen in einem der Restaurants, die vom einfachen Hotdog-Stand bis zum gehobenen Tivoli Nimb reichen.

Das ist keine vollständige Kopenhagen-Erfahrung. Dafür fehlen die Museen, die modernen Viertel, die Märkte. Aber es ist ein Tag, der die Stadt zeigt, wie sie sich selbst versteht: als Hafenstadt mit kurzen Wegen, in der Vergnügen und Alltag nah beieinander liegen.

Alternativen und Variationen

Wer mit dem Auto nach Dänemark fährt, steht in Kopenhagen vor der Parkplatzfrage. Die meisten Hotels verlangen hohe Gebühren, öffentliche Parkhäuser sind teuer. Oft ist es einfacher, außerhalb der Innenstadt zu parken und mit der Metro hineinzufahren.

Statt des Spiralturms lässt sich auch der Runde Turm einbauen, der Rundetårn in der Altstadt. Die spiralförmige Rampe im Inneren ist leichter zu bewältigen als die steilen Treppen der Erlöserkirche, und die Aussicht über die Dächer der Altstadt ist ebenso gut. Der Turm wurde 1642 fertiggestellt und diente ursprünglich als Sternwarte.

Wer morgens mehr Zeit hat, kann den Tag mit einem Abstecher zum Kastellet beginnen, der fünfeckigen Festung nördlich von Nyhavn. Die Bastionen sind frei zugänglich, der Weg entlang der Wälle führt an der Kleinen Meerjungfrau vorbei — die vermutlich enttäuschendste Sehenswürdigkeit der Stadt, aber eben auch die bekannteste.

Für Familien mit kleineren Kindern bietet sich Kopenhagen mit Kindern anders an: weniger Laufen, mehr Pausen, Spielplätze einplanen. Der Tivoli ist für Kinder nachmittags interessanter als abends, wenn die Müdigkeit einsetzt.

Praktisches für den Tag

Die Strecke vom Hauptbahnhof über die Altstadt nach Christianshavn und zurück sind etwa sechs Kilometer zu Fuß. Wer die Hafenrundfahrt einbaut, spart eine Strecke und sieht die Stadt aus einer anderen Perspektive.

Zum Essen zwischendurch: In der Altstadt sind die Preise hoch, besonders rund um Nyhavn. Wer nicht ins Restaurant will, findet in den Seitenstraßen der Strøget Bäckereien und kleinere Imbisse. In Christianshavn gibt es entlang der Kanäle Cafés, die günstiger sind als die touristischen Orte im Zentrum. Dänische Gerichte wie Smørrebrød bekommt man in vielen Lokalen auch zum Mitnehmen.

Die meisten Sehenswürdigkeiten sind kostenlos zugänglich. Eintritt kostet der Tivoli, der Turm der Erlöserkirche und die Hafenrundfahrt. Wer mehrere Tage in der Stadt ist, für den lohnt sich die Copenhagen Card — für einen einzigen Tag meist nicht.

Bild: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

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